Freitag, 5. Mai 2017

»Elanus« – Wenn Neugier zum Verhängnis wird

Titel: Elanus
Autor: Ursula Poznanski
Genre: Thriller
Verlag: Loewe
Sprache: Deutsch
Seiten: 413
ISBN: 978-3785582312



Nachdem mir Ursula Poznanskis vorherige Jugendthriller schon in so manch einer Nacht den Schlaf geraubt haben, konnte ich natürlich auch ihr neustes Werk, »Elanus«, nicht länger auf mich warten lassen – und musste mich bald wieder durch schlaflose Nächte kämpfen.

Handlung

Jona hat nicht nur ein Talent für Logik, Mathe und analytisches Denken, sondern auch dafür, sich bei anderen unbeliebt zu machen. Auch der Start an der Universität in seiner neuen Heimatstadt Rothenheim wird von Spott und Hohn seitens allen Parteien geprägt und zu allem Überfluss erweisen sich auch die Helmreichs, Jonas Gastfamilie, als überaus nervig. Wie gut nur, dass Jona ein Ass im Ärmel hat: Seine Drohne Elanus, mit der er jeden beliebigen Menschen ausspionieren kann, dessen Handynummer er besitzt. Sein Aufenthalt in Rothenheim scheint endlich lohnenswert zu werden, als er einer Verschwörung auf die Spur kommt – wären da nicht plötzlich all diese seltsamen Ereignisse, die die Vermutung nahelegen, dass Jona selbst das Ziel der todbringenden Verschwörung ist.

Braucht es anfangs vielleicht noch ein bisschen, bis die Handlung ins Rollen gerät und Spannung aufkommt, gewinnt das Ganze später doch an Fahrt und schafft es, den Leser mitzureißen. Okay, der Verlauf war zwar bei Weitem nicht so schaurig wie beispielsweise der in Saeculum, aber im Großen und Ganzen hatte ich doch das dringende Bedürfnis, das Buch nicht aus der Hand zu legen und immer weiter zu lesen. Und obwohl ich zum Ende hin eine recht zutreffende Ahnung hatte, war die Auflösung des Ganzen schön und spannend zu lesen.

Charaktere

Jona ist nun nicht gerade die Definition des Wortes „sympathisch“ – vielleicht hat er es gerade dadurch geschafft, mich für sich zu gewinnen. Selbstüberzeugt und unmoralisch, wie er ist, schüttelt man gerne mal den Kopf über ihn, aber gleichzeitig konnte ich ihn meist ganz gut verstehen. Auch macht er während des Buches zwar eine Entwicklung durch, bleibt aber trotzdem irgendwie der Alte, was mir sehr realistisch erscheint. Das Einzige, was mich an seiner Person ziemlich gestört hat, ist, dass er recht schnell davon überzeugt ist, verliebt zu sein­ ­– das passt meines Erachtens nach nicht wirklich zu seinem sonstigen Verhalten, war aber für den Handlungsverlauf so notwendig, weshalb man vielleicht nicht zu kleinlich sein sollte.
Die anderen Charaktere sind zu Teilen zwar etwas oberflächlich, insgesamt aber nicht zu flach gestaltet. Sie fügen sich nicht nur ins Handlungsgeschehen ein, sondern tragen allesamt dazu bei, und es gelingt Poznanski, sowohl die sympathischen Charaktere wie Jonas neuen Nachbar Pascal als auch die weniger sympathischen, wie die Helmreichs, geschickt darzustellen. Dabei sind vor allem Letztere schwer zu durchschauen, wodurch die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt und der Moment der Kenntnis vom einem überraschten „Oh Gott!“ geprägt wird – Gleiches gilt für den mysteriösen Universitätsdirektor Schratter.

Schreibstil

Poznanskis Schreibstil ist auf der einen Seite so simpel, dass man gemütlich durch die Seiten fließt, und auf der anderen Seite so mitreißend, dass man einfach vorwärts getrieben wird – die perfekte Mischung für einen Jugendthriller. Diese Frau hat einfach ein Talent dafür, die richtigen Worte zu finden, um den Leser mitten in das Geschehen eintauchen zu lassen.

 
Fazit

»Elanus« ist ein spannender und empfehlenswerter Jugendthriller mit aktueller Thematik, der mich allerdings nicht ganz so sehr mitreißen konnte wie Poznanskis vorherige Werke, beispielsweise Erebos und Saeculum.

Deshalb vergebe ich 4 von 5 Sternen. 


Donnerstag, 6. April 2017

»Miss You« – Über die Höhen und Tiefen des Lebens

Titel: Miss You
Autor: Kate Eberlen
Genre: Liebesroman Drama
Verlag: Diana
Sprache: Deutsch
Seiten: 574
ISBN: 978-3453291836




Auf »Miss You« wurde ich zwar auch aufgrund des Covers, aber nicht zuletzt aufgrund der Doppeldeutigkeit des Titels aufmerksam: Die allseits bekannten englischen Worte können nämlich nicht nur »dich vermissen«, sondern auch »dich verpassen« heißen – wobei mir Letzteres deutlich zutreffender erscheint. Denn wer hier eine schnulzige Liebesromanze erwartet, so wie sie im Klappentext versprochen wird, der kann lange warten; vielmehr geht es um die Höhen und Tiefen zweier junger Menschen, deren Leben sie immer wieder unwissentlich in dieselbe Richtung lenkt.

Handlung

Im Sommer 1997 sehen sich Gus und Tess während eines Florenz-Urlaubs das erste Mal. Beide haben gerade ihren Schulabschluss in der Tasche, planen, nach dem Urlaub in London zu studieren und teilen eine Liebe für Eiscreme und Kunst – und doch kommen sie kaum im Gespräch und als der Urlaub vorbei ist, geht ihr Leben weiter, ohne vom anderen geprägt zu werden.
Mit dem Tod seines Bruders hat Gus an dieser Stelle bereits einen großen Schicksalsschlag hinter sich, und das Studentenleben verspricht, sein Leben endlich bergauf zu führen; weg von seinen lästigen Eltern und den immer wieder kehrenden Erinnerungen an seinen großen Bruder. Tess‘ Leben ändert sich mit der Rückkehr nach Hause schlagartig: Ihre Mutter ist todkrank und bald sieht sich die Achtzehnjährige allein für ihre verhaltensauffällige kleine Schwester verantwortlich. Eine Aufgabe, die ihr den Traum vom Studentenleben in London gewaltsam entreißt.
Und so sehen sich beide mit einem Mal dem Leben gegenüber, das die verschiedensten Höhen und Tiefen für sie bereithält.

Mir persönlich hat es sehr gefallen, die beiden Protagonisten beim Erwachsenwerden und Erwachsensein zu begleiten, immerhin zieht sich die Handlung über sechzehn Jahre, da wachsen sie einem schon ganz schön ans Herz. Eberlen ist es gelungen, dass sie Erzählungen und Ereignisse tatsächlich wie aus dem richtigen Leben gegriffen erscheinen, wodurch eine wunderbare Atmosphäre entsteht, die mich irgendwie an die Filme »Zwei an einem Tag« und »Die Entdeckung der Unendlichkeit« erinnert hat.
Einen ganz besonderen Reiz hat das Ganze dadurch erhalten, dass sich die Wege der beiden immer wieder kreuzen und sie sich immer wieder ganz knapp verpassen – die ganze Zeit über wurde ich so von »Was wäre, wenn«-Fragen heimgesucht. Allerdings handelt es sich wie gesagt nicht um jene versprochene kitschige Liebesgeschichte und wenn man in Erwartung auf diese gelesen hat, konnte es gelegentlich schon etwas langweilig werden – und als es dann wirklich zur Liebesgeschichte kommt, ist das Buch schon fast vorbei.

Charaktere

Tess und Gus waren mir auf Anhieb sympathisch, was wohl daran liegt, dass beide sehr charakterstark und tiefgründig sind. Obwohl sie beide völlig verschiedene Schicksale durchleben, wirken sie echt und realitätsnah – man ist mit ihnen glücklich und unglücklich und manchmal möchte man sie einfach nur packen, schütteln und rufen »Nun sei doch mal ein bisschen egoistischer, stell dein Licht nicht unter den Scheffel!«. Doch das ist wahrscheinlich ganz normal, zumindest möchte ich das im echten Leben auch so manches Mal tun. ;)
Auch die Nebencharaktere wirken allesamt authentisch, wobei eine Ausgewogenheit zwischen sympathischen und weniger sympathischen Charakteren besteht. Besonders Tess‘ kleine Schwester Hope hat mir gefallen, weil sie so außergewöhnlich ist. Auch sie spielt eine bedeutende Rolle im Buch, inwiefern, kann ich aber nicht verraten, ohne zu viel zu sagen. ;)

Schreibstil

Eberlens Schreibstil ist klar und einfach zu lesen, wodurch es nicht schwerfällt, direkt in die Handlung einzutauchen. Als personaler Ich-Erzähler lässt sie abwechselnd Tess und Gus aus ihrem Leben erzählen, wobei sie ein Talent dafür hat, genau den richtigen Grad zwischen Lebenserzählung und Metaphorik trifft.

Fazit

»Miss you« ist ein Roman über die Höhen und Tiefen des Lebens und der Liebe, der sich zwar nicht wie erwartet als schnulzige Liebesromanze entpuppt, aber trotzdem (oder gerade deshalb) vollkommen lesenswert ist.

Authentische Charaktere und ein starker Plot machen gelegentliche Langatmigkeit wieder wett, weshalb ich guten Gewissens 4 von 5 Sternen vergebe. 


Montag, 27. März 2017

»Die Anderen & Johannes der V.« – Ein wunderbar philosophisches Werk über das Menschsein

Titel: Die Anderen & Johannes der V.
Autor: Tauchmaske
Genre: Fantasy
Verlag: The Wooky People
Sprache: Deutsch
Seiten: 250 (im ungewöhnlich großen Format)
ISBN: 978-3200041981



Nachdem mich schon Band 1 der außergewöhnlichen »Johannes«-Reihe begeistert hat, musste ich natürlich auch den zweiten Band, »Die Anderen & Johannes der V.« lesen, eine Fortsetzung, die mich nicht weniger begeistert hat.

 
Handlung

Als Johannes sich auf die Suche nach der Wahrheit über seine Familie und die gesamte Menschheit gemacht hat, konnte er nicht ahnen, welchen Fels er damit ins Rollen bringt – und so ist er viel schneller in das wohl älteste Geheimnis der Erde verwickelt, als er ahnen kann.
Plötzlich steckt er mittendrin in seinem neuen Leben in einer Gesellschaft fernab der unseren und darf am eigenen Leib erfahren, wie harmonisch und friedlich das Zusammenleben auch in den buntesten und vielfältigsten Gruppen aussehen kann. Er kann die moderne Gesellschaft aus einer völlig neuen Perspektive betrachten und realisiert, dass es so nicht weitergehen kann – und dass er die tragende Rolle darin spielt, die Menschheit wieder auf den richtigen Weg zu lenken. Eine Mission um das Fortbestehen der Menschen beginnt.

Die Handlung des zweiten Bandes beginnt genau dort, wo der erste Teil geendet hat und löst so endlich den gemeinen Cliffhanger auf – allerdings nicht, ohne neue Fragen aufzuwerfen. Ganz im Gegenteil: Vor allem Johannes‘ Ankunft bei den anderen sorgt nicht nur beim Protagonisten, sondern auch beim Leser für zahlreiche Fragezeichen im Kopf. Allerdings nicht auf eine negative, sondern auf eine positive und durchaus spannende Art und Weise. Neugierig, wie ich bin, konnte ich gar nicht anders, als immer weiter und weiter zu lesen und endlich Antworten zu bekommen.
Besonders gefallen hat mir auch in diesem Band wieder die philosophische Seite, die das Buch deutlich von anderen aus der Genre abhebt und völlig einzigartig macht. Tauchmaske gelingt es nicht nur, den Lebensstil und die Prinzipien unserer Gesellschaft zu hinterfragen, er schafft auch ein Idealbild, das stattdessen angestrebt werden sollte. Und so sehr ich mich auch bemüht habe, einen Fehler oder ein Problem in dieser allzu perfekten Welt zu finden – ich habe keinen gefunden.
Zwar hatte ich schon im ersten Band das Gefühl, dass Tauchmaske reale, biografische Geschehnisse mit etwas Fiktion vermischt und uns das Ganze dann als Fantasyroman auftischt, aber in diesem Band wurde die Ahnung aufgrund liebevoller und detailreicher Beschreibungen und Ähnlichem noch stärker – was mich erst recht dazu gebracht, mir den Kopf zu zerbrechen.

Charaktere

»Ich bin nur ein Mensch.«
Diesen Satz sagt Johannes allzu oft während seiner Zeit bei den Anderen. Er nutzt es zwar meist als Rechtfertigung, doch hier will ich diesen Satz mal ganz lobend zitieren. Der Protagonist der Reihe ist ein ganz normaler Mann in den Mittfünfzigern, mit all den Stärken und Schwächen, die wir eben so haben – wenn auch mit einem überdurchschnittlichen Sinn für Humor. Auch seine Neugier und seinen Wissensdurst sind überdurchschnittlich, wodurch er den Leser nicht nur durch die Welt der Anderen führt, sondern buchstäblich die Augen öffnet.
Wer Johannes im ersten Band sympathisch fand, wird das auch im zweiten tun, denn trotz des Fortgangs seiner Reise und seiner nicht unbedeutenden Rolle bezüglich des Fortbestehens der Menschheit bleibt er vor allem eins: Authentisch.
Auch die Nebencharaktere waren allesamt wieder liebevoll und detailverliebt ausgearbeitet, doch über Anderen will ich nun wirklich nicht zu viel verraten. ;)

Schreibstil

Schon wieder hatte ich dank des lebensnahen und recht simplen Schreibstils das Gefühl, direkt aus dem Tagebuch des Ich-Erzählers zu lesen. Es ist beinahe, als würde man Johannes am Küchentisch gegenübersitzen und er würde einem seine Geschichte erzählen – was das Abenteuer umso spannender zu lesen macht.

Fazit

Wem »Ich, Johannes der V.« gefallen hat, der sollte auch die Fortsetzung lesen, denn »Die Anderen & Johannes der V.« steht seinem Vorgänger in nichts nach – ein wunderbar philosophisches Werk über das Zusammenleben der Menschen getarnt als toller Fantasy-Roman.

5 von 5 Sternen! 


Samstag, 25. Februar 2017

»Spark« – Ein ganz und gar gelungener Auftakt

Titel: Spark
        (Teil 1 von 4 der »Elite«-Reihe)
Autor: Vivien Summer
Genre: Dystopie │ Liebesroman
Verlag: Impress
Sprache: Deutsch
Seiten: 340 Ebook-Seiten
ISBN: 978-3646603378



Wer meinen Facebook-Blog aufmerksam verfolgt, dürfte schon einmal von Vivien Summer gehört haben – und wissen, dass wir recht gut befreundet sind. Eine gute Bewertung könnte man also leicht auf unsere Freundschaft zurückführen. Allerdings ist es eher andersherum: Wir freundeten uns an, weil ich auf einer Website die erste Fassung ihrer Dystopie gelesen habe und gleich Feuer und Flamme dafür war.

Handlung

Malia Lawrence lebt in einer Welt, in der jedes Kind eine spezielle Gentherapie über sich ergehen lassen muss, deren Ziel es ist, den Behandelten zum „Super-Soldaten“ zu entwickeln. Und sie lebt in einer Stadt, in der jedes Mädchen Christopher Collins – einen der besagten Soldaten – vergöttert.
Von beidem ist Malia nicht gerade angetan: Die Gentherapien macht sie für den Tod ihrer Schwester verantwortlich macht und kann sich nichts Schlimmeres vorstellen, als ein Element beherrschend auf dem Schlachtfeld zu stehen und als Teil der Elite von der restlichen Gesellschaft angehimmelt zu werden, und auch ihre Schwärmerei für Chris würde sie niemals offen zugeben. Schließlich ist er für seinen Womanizer-Ruf bekannt – doch auch sie ist nicht immun gegen seinen Charme.
Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Therapien bei ihr anschlagen und sie zum Teil der Elite werden lassen, wird ihr der Eintritt in die High Society zum größten Albtraum, als ausgerechnet Chris zu ihrem Ausbilder wird.
Dabei hat Malia noch gar keine Ahnung, was wirklich auf sie zukommt.

Charaktere

Malia Lawrence ist eine Protagonistin, mit der sich nahezu jede Leserin der Zielgruppe identifizieren können müsste. Sie ist durchschnittlich begabt, recht unsicher und auffällig und mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen. Kurzum verkörpert sie also die typische schüchterne Seite, die wohl jedes Teenagermädchen mal an sich entdeckt. Und obwohl sie sich im Laufe der Reihe wandelt, konnte ich mich die ganze Zeit über in sie hineinversetzen: Ich freute mich mit ihr und litt mir ihr, ich kämpfte und trauerte mit ihr. Sie ist ein toller und authentischer Charakter, was sich wohl am meisten damit begründen lässt, dass sie lebensecht ist – vor allem, weil auch sie ihre Schwäche hat.
Eine dieser Schwächen heißt Christopher Collins. Aber ganz ehrlich: Wenn sie dem nicht verfallen wäre, könnte ich sie nicht mehr nachvollziehen. Er verkörpert zwar den typischen Bad Boy, das macht er allerdings so sexy, dass man gar nicht anders kann, als ihm zu Füßen liegen. Und unter der Oberfläche brodelt viel mehr als sein klassisches Aufreißer-Image vermuten lässt, was ihn zu einem umso spannenderen Charakter macht.

Schreibstil

Vivien Summers Schreibstil verbindet all das, was ich in Büchern so sehr liebe: Nämlich tiefgründige Metaphern und einen jugendlich leichten Stil, der es nicht schwermacht, sich in das Geschehen einzufinden. Besonders gefallen haben mir auch die Bemerkungen der Ich-Erzählerin, ihr Humor ist so voller Sarkasmus, dass ich ab und zu fast vom Stuhl gefallen wäre vor Lachen.

Fazit

»Spark« ist der gelungene Auftakt einer vielversprechenden Dystopie-Tetralogie, die alte Themen mit neuen verbindet und nicht nur durch diese Mischung, sondern auch durch authentische Charaktere und einen angenehmen Schreibstil überzeugen kann.
Wer Gefallen an »Panem«, »Die Bestimmung«, aber auch »Selection« findet, sollte sich auch diese Reihe auf keinen Fall entgehen lassen.

Klare fünf von fünf Sternen! 




Montag, 20. Februar 2017

»Nothing more« – Eine große Enttäuschung

Titel: Nothing more
        (Spin-Off 2 der »After«-Reihe (Achtung, Spoilergefahr!))
Autor: Anna Todd
Genre: LiebesromanErotik
Verlag: Heyne
Sprache: Deutsch
Seiten: 315
ISBN: 9783453419704



Da ich mich gewöhnlich nicht von schlechten Bewertungen abhalten lasse und ein großer Fan von Anna Todds »After«-Reihe bin, konnte ich es kaum erwarten, endlich auch »Nothing more« zu lesen. Eines hat mich dieses Buch gelehrt: Dass man negativen Rezensionen auch mal Glauben schenken darf.

Handlung

Wer schon während der »After«-Reihe Sympathie für Hardins Stiefbruder Landon empfunden hat, den wird es freuen, dass sie die »Nothing«-Sequels ganz und gar um ihn drehen. Wir begleiten Landon, der sich in New York mit seinem Studium und dem Nebenjob im Coffee Shop rumschlägt, immer noch an der Trennung von Dakota leidet und sein Leben vermutlich selbst als langweilig beschreiben würde.
Leider trifft es langweilig nur allzu gut: Auch wenn sich seine Lage mit einem Mal dramatisch ändert und er nicht nur von Sophia, die wir schon in der Hauptreihe kennengelernt haben, sondern auch von Dakota begehrt wird, konnte mich die Handlung leider so gar nicht mitreißen. Na klar habe ich ab und zu gefiebert, wen von beiden er jetzt nehmen würde, aber alles in allem hatte ich dann doch das Gefühl, dass kaum etwas passiert – am Ende steht man eigentlich genau dort, wo man sich am Anfang befunden hat.
Viel zu sehr wird um den heißen Brei herum erzählt, unrealistische Wendungen eingebaut, völlig unnötige Nebenhandlungen aufgebaut und wieder abgerissen und eigentlich alles Relevante in eine Schublade geschoben, die die ganze Zeit nicht wieder geöffnet werden – selten hat mich ein Buch so sehr zum Abbrechen gedrängt wie dieses und es war ein Kampf, es zu beenden.

Charaktere

Landon war mein heimlicher Liebling der Reihe – wobei die Betonung deutlich auf „war“ liegen muss. In diesem Band baut er zum einen seine „der nette Junge von nebenan“-Seite weiter aus, was ihn total sympathisch macht, weil er eben nicht dieser typische Bad Boy ist. Zum anderen hat er immer wieder diese Momente, in denen er sich plötzlich als das Gegenteil von dem darstellt, was er eigentlich ist.
Schön und gut, wenn auch ein Landon mal wütend ist, aber um Gottes Willen, einige seiner Geschichten von früher oder Gedankengänge von heute sind so unglaubwürdig, dass sie ihn schnell zur Witzfigur werden lassen. So war mir Landon irgendwie unsympathisch und nicht authentisch.
Das Gleiche gilt für Dakota – ihre Verhaltensweisen sprangen hin und her, waren unverständlich, nicht realistisch und vor allen Dingen nicht nachvollziehbar. Leider hatte ich all zu oft das Gefühl, dass Todd sie sich so hinbog, wie sie sie gerade gebrauchen konnte.
Die Einzige, die mir noch in Ansätzen sympathisch war, war Sophia, doch auch die kann nichts mehr daran ändern, dass die Gesamtsituation ziemlich absurd ist.

Schreibstil

Über den würde ich am liebsten gar nicht reden – ich hätte weinen können, weil nichts von Todds eigentlich poetischen, lockeren Stil übriggeblieben ist. Stattdessen stolpert man nicht nur über holprige Satzstrukturen, sondern findet Wörter und Ausdrücke, die einfach nicht zum Ich-Erzähler Landon passen wollen.
Es ist nicht schwer zu lesen, aber auch nicht schön. Während ich mal das Gefühl hatte, im Tagebuch eines 12-Jährigen zu lesen, fand ich mich plötzlich in einem literarischen Porno wieder. Was soll das?
Mehrere sich wörtlich und inhaltlich absolut wiederholende Passagen haben das Fass dann zum Überlaufen gebracht. Wie kann es unbemerkt bleiben, wenn sich alles, was auf einer Seite um die 100 gestanden hat, auf ungefähr Seite 200 wiederholt?

 Fazit

»Nothing More«, ist das erste Spin-Off, das ich gelesen habe, bei dem ich wirklich das Gefühl hatte, es sei aus Geldmacherei erschienen. Unverständliche, unrealistische Charaktere und das Fehlen von wirklicher Handlung machen das Buch zu keinem schönen Leseerlebnis.

Schweren Herzens vergebe ich nur 2 von 5 Sternen. 


Mittwoch, 1. Februar 2017

»Selection – Die Krone« – Ein nettes Finale ohne das gewisse Etwas

Titel: Selection – Die Krone
        (Teil 5 der »Selection«-Reihe (Achtung, massive Spoilergefahr für alle vorherigen Teile!))
Autor: Kiera Cass
Genre: LiebesromanJugendbuch
Verlag: Fischer Sauerländer
Sprache: Deutsch
Seiten: 325
ISBN: 978-3737354219




Da mir bisher alle Bände der »Selection«-Reihe gefallen haben, ging ich auch an diesen Band mit einem guten Gefühl – und wurde weder unsagbar enttäuscht, noch unglaublich positiv überrascht.
Vor dem Lesen der Rezension sollten unbedingt die erste drei Teile der Reihe gelesen worden sein, da sich Spoiler kaum verhindern lassen.

Handlung

Als Maxon und America sich bei der Geburt ihrer Tochter dazu entschieden, dass künftig auch Frauen die Herrschaft Illeás übernehmen können, hatten sie damit vor allem ihr ältestes Kind, Prinzessin Eadlyn im Sinn. Die stellt mit ihrer zielstrebigen Art zwar die ideale Thronfolgerin dar, ist jedoch alles andere als begeistert, als es um die Auswahl des richtigen Mannes an ihrer Seite geht. Allerdings bessert sich das im Laufe des vierten Bandes, sodass ihre Einstellung dem traditionellen Casting gegenüber von Beginn dieses Buch an recht positiv ist.
Stattdessen hat sie plötzlich mit ganz neuen Hindernissen zu kämpfen – als wäre der besorgende Gesundheitszustand ihrer Mutter nicht genug, überstürzen sich plötzlich die politischen Ereignisse und zu allem Überfluss spielt ihr Herz plötzlich verrückt …

Insgesamt ist die Handlung zwar niemals wirklich langweilig, plätschert allerdings eher seicht vor sich, als wirklich mitreißend zu sein, von einigen spannenden Szenen mal abzusehen. Neben der eigentlichen Liebesgeschichte spielt in diesem Band vermehrt auch die Politik eine Rolle, was ich im Großen und Ganzen allerdings nicht als störend empfand.
Etwas schlimmer war da schon, dass es teilweise einfach etwas schnell ging und mir brisante Entscheidungen sowie einige der Wendungen durchaus ein wenig unrealistisch vorkommen.
Gleich am Anfang des Buches wird die Anzahl der männlichen Castingteilnehmer stark reduziert, was es möglich macht, sich mit nahezu allen Männern etwas näher zu beschaffen. Insgesamt wurde es zwar wirklich nicht ermüdend, auf den großen Handlungshöhepunkt wartete ich allerdings vergebens – leider schienen sich wirklich große Probleme plötzlich viel zu schnell und wie von selbst zu lösen.
Mit Eadlyns endgültiger Wahl bin ich jedoch wirklich zufrieden, nur eben mit dem Weg dahin nicht ganz. Da habe ich mir dann doch etwas mehr erhofft.

Charaktere

Eadlyn zeigt sich im vierten Band der Reihe als zielstrebig, etwas eingebildet, eher wenig empathisch und gerne auch mal zickig. In finalen Teil der Reihe hat sie eine große Entwicklung durchgemacht und ist insgesamt wohl eher das, was man als freundlich, einfühlsam und sympathisch versteht. Sie hat zwar immer noch ihre Macken, aber das ist es, was einen guten Charakter ausmacht. Jedoch geht mir ihr Wandel etwas zu schnell, sodass er schon ein bisschen unrealistisch und weit hergeholt wirkt. Ein dritter Band über Eadlyn wäre also auch hier nicht schlecht gewesen.
Das bestätigt sich auch bei den männlichen Charakteren: Obwohl man einige von ihnen besser kennengelernt, hatte ich dennoch das Gefühl, meist nur etwas an der Oberfläche zu kratzen. Zwar sind mir alle Jungs wirklich sehr sympathisch gewesen, doch ein etwas genauerer Blick hätte nicht geschadet.

 
Schreibstil

Kiera Cass hat einen lockeren, jugendlichen Schreibstil, der sehr zu ihren Charakteren passt. Sie schafft es, nicht nur den Charakteren, sondern den ganzen Szenen Leben verleiht. Hin und wieder taucht eine passende Metapher auf, die man einfach bewundern muss, und macht das Gesamtpaket Sprache somit perfekt.

Fazit

Wer die »Selection«-Reihe gernhatte, sollte auch diesen Teil lesen, allerdings nicht so viel erwarten, wie es in den ersten Bänden der Fall gewesen ist. Falls schon der vierte Teil der Reihe nicht gefallen hat, würde ich vom Lesen des fünften Teils allerdings eher abraten.
Insgesamt ist »Die Krone« ein angenehmes Finale, das zwar nicht langweilig wird, aber auch nicht mitreißt. Die endgültige Wahl des Verlobten erscheint mir authentisch, allerdings gerät der Storyverlauf teilweise doch etwas knapp und wirkt so weniger authentisch.

Deshalb vergebe ich „nur“ 3 von 5 Sternen an Illeás Prinzessin. 


Donnerstag, 19. Januar 2017

»Harry Potter And The Cursed Child« – Magie auf einem gewohnt hohen Level

Titel: Harry Potter And The Cursed Child
Autor: Joanne K. Rowling, Jack Thorne, John Tiffany
Genre: Fantasy │ Familiendrama
Verlag: Little Brown
Sprache: Englisch
Seiten: 330
ISBN: 978-0751565355



Da ich (etlicher öder Schullektüren sei Dank) eigentlich überhaupt kein Fan von Büchern im Drehbuchformat war, ließ ich auch eine ganze Weile die Finger von der stark diskutierten Harry Potter-Fortsetzung »Harry Potter And The Cursed Child«. Auch als ein guter Freund mir das Buch begeistert in die Hände drückte, ging ich mit zugeben sehr niedrigen Erwartungen heran – und wurde positiv überrascht.

Handlung

Als Sohn des »Jungen, der lebte« hat man es nicht leicht. Vor allem nicht, wenn man so gar nicht ist wie er. Das muss auch Albus Severus Potter erfahren, dessen schlimmste Befürchtung am ersten Tag auf Hogwarts erfüllt wird: Er kommt nicht nur nach Slytherin, sondern erweist sich auch noch als schlechtester Quidditch-Spieler des Jahrgangs. Ab da wird der Schulalltag zum Spießrutenlauf, tagein tagaus muss sich Albus das Gekicher seiner Mitschüler anhören und leidet als schwarzes Schaf der Familie täglich unter schlechten Scherzen. Auch die Beziehung zu seinem Vater Harry leidet unter dem tristen Schuldasein.
Als Albus ein Gespräch über einen versteckten Zeitumwandler im Ministerium hört, fasst er einen Plan, um es allen zu beweisen. Zusammen mit seinem besten Freund Scorpius Malfoy reist er in der Zeit zurück, um Cedric Diggory, der damals für Harry sterben musste, am Leben zu erhalten – doch schon bald müssen beide am eigenen Leib erfahren, dass man den Umgang mit der Zeit nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, kann ich sagen, dass mir der Handlungsverlauf sehr gefallen hat. Fragt man sich anfangs noch, worauf das Ganze hinauslaufen soll, wird man bald von einem Abenteuer ins nächste gerissen. Es fiel mir so schwer, das Buch zur Seite zu legen, weil es einfach viel zu spannend war – da kann man bei der ein oder anderen unrealistischen oder weit hergeholten Kleinigkeit gerne mal ein Auge zudrücken.

 
Charaktere

Albus Severus Potter ist auf den ersten Blick das totale Gegenteil von seinem Vater und das schwarze Schaf der Familie. Demensprechend erscheint sein Charakter wesentlich düster und er wird von ähnlichen Selbstzweifeln geplagt wie damals auch sein Vater. Er ist trotzig, reizbar und stur – was zusammen mit seiner jugendlichen Naivität und dem Drang, sich zu beweisen, einen wunderbaren, aufregenden und authentischen Charakter darstellt.
Wenn es einen Freund wie Ron Weasley geben kann, dann ist Scorpius Malfoy das für Albus. Die beiden gehen durch dick und dünn miteinander, und auch wenn es anfangs scheint, dass Scorpius nur den trotteligen Gefolgen des Potter-Sprösslings bildet, gelingt es ihm bald, dem Leser das Gegenteil zu beweisen.
Auch von Harry selbst, mittlerweile in den Dreißigern, erfahren wir ganz neue Seiten, die eben zeigen, dass auch ein Harry Potter Fehler mit erheblichen Konsequenzen machen kann. Ebenso wie fast alle anderen Nebencharaktere ist auch Harry authentisch und vielseitig gestaltet. Es macht Spaß, die bekannten Figuren noch einmal zu erleben und wirkte (zumindest auf mich) nicht aufgesetzt oder erzwungen.

 
Schreibstil

Ich glaube, es muss meine allgemein kritische Haltung gegenüber Drehbüchern echt noch einmal zu überdenken. Denn dieses Buch ist so flüssig, echt und authentisch geschrieben, dass ich so manches Mal vergessen habe, dass es in der Dialogform geschrieben ist.
Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen bilden die kurzen Szeneriebeschreibungen am Anfang eines jeden Kapitels – einfach magisch!

Fazit

»Harry Potter And The Cursed Child« ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe, die für belesene Fans ein absolutes Muss ist und mit authentischen Charakteren, abenteuerlichen Handlungen und dem gewohnten Charme verzaubert – accio einen nächsten Teil. 😉

5 von 5 Sterne!